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Montag, 1. September 2014

Sechs Monate Kolumbien

Herzlich Willkommen auf den Seiten meines Blogs! Hier verschriftliche ich seit Februar mein Leben als Kultur-Entdecker, Projektler, ICJA-Freiwilliger und Deutsch-Kolumbianer - in Kolumbien. Der letzte Artikel ist schon knapp 2 Monate her. Ich hoffe ihr seid mir dafür nicht allzu böse, wobei es auch lustig zu sehen ist, wie ich mit zunehmender Regelmäßigkeit angeschrieben wurde :D

Ich möchte diesen Beitrag dazu nutzen, um generell die letzten sechs Monaten noch einmal Revue passieren zu lassen ohne zu sehr ins Detail zu gehen (dafür sind ja die anderen Blog-Artikel da ;)).


Sechs Monate sind rasant an mir vorbeigezogen und ehe man sich versieht hat man schon die Einladung zum Halbjahres-Seminar im Posteingang. Hier in Kolumbien werde ich insgesamt drei Seminare haben und das ist nun das Zweite. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein, um mal über die Projektarbeit und über das Leben in Kolumbien nachzudenken. Die letzten zwei Monate hatte ich meinen Schwerpunkt in Projektarbeit gesetzt, die nur durch emotionale WM-Feiern (vor allem das Finale ;)) und kurzen Reisen unterbrochen wurde. Von Zipaquirá/Guasca berichtete ich bereits, des Weiteren war ich Anfang Juli noch in der "Salsa-Hauptstadt" Cali.

Erste Eindrücke aus Cali: Viele Kirchen und Kathedralen...


Ein nettes Eis, während ich auf meine Familie warte :P

Zusammentreffen bei der Theateraufführung, die von meinem Onkel geleitet wurde :)

Glückliches Familienfoto von einem erfolgreichen Abend!

"Danke, für alles geben." Das traurige Ausscheiden eines tollen Teams, das
bei der WM eine große Rolle gespielt hat.

Trauer? Kolumbien war im Viertelfinale! Man sieht sich 2018 ;)

Aus Cali: Cholado!!! Eis mit vielen Früchten und Saft und Sahne! Verliebt :D

Der Anfang einer Tour..

Die ganze Familie tapfer in Siloé :)

Supermarkt ;D


Im Jeep nach ganz oben und ...

... Aussicht genießen :)

Nicht das erste Mal in Cali, aber das erste Mal beim Cristo Rey (:

Ein Park, wo verschieden lustige, traurige, ernstzunehmende Katzen ausgestellt sind ^^

Der Empfang der kolumbianischen Mannschaft in Bogotá? Noch was zu sagen? ;)

Auf gehts: Deutschland gegen Argentinien! Und beide Seiten gut vertreten ^^

Der Pokaaaaaaaaaaal :D


"Also Argentinien hat genau wie Deutschland gut gespielt, im Bereich
Chancenverwertung aber noch viel Arbeit. Sie hatten ausreichend große Torchancen,
Deutschland zeigt, dass diese auch genutzt werden müssen. Deutschland ist verdienter Weltmeister!!"
Und was ich wirklich sagte: "Götze war natürlich der beste Spieler, aber
das ist in einem "Team" zweitrangig." :D



Ein weiterer Punkt auf dem Seminar, welches dieses Mal auf einer Finca nahe Melgar ist, ist erneut "Kolumbien". Was für schöne Ecken haben wir entdeckt, warum lieben wir die Kultur und die Menschen hier, was für kuriose Dinge haben wir gesehen. Unsere Fotopräsentationen gaben uns einen schönen Einblick darin. Sehr schöne Einblicke, die wie immer mit dem Kolumbien-News-Ticker kontrastieren. Aber es ist auch wahr: Während wir unsere Seminartage auf der Finca mit (Whirl-)Pool und leckerem Essen verbringen, fallen in anderen Ecken des Landes die Schüsse. Während WM-Torschützenkönig James den goldenen Schuh in Empfang nimmt, explodiert anderswo vielleicht eine der vielen Landminen. Ich spiele mit den Gedanken, irgendwann einen Vortrag über diese heikle Situation zu halten. Warum ist Kolumbien in einem Konflikt, der auch nach einem halben Jahrhundert ungelöst bleibt? Warum kann ich mir vorstellen, dass der Konflikt noch ein weiteres halbes Jahrhundert andauert? Und inwiefern sind Länder wie Deutschland eigentlich daran beteiligt? Es gibt ja Menschen, die hier ein sehr gutes Leben haben, aber es gibt auch das komplette Gegenteil. Und besonders in Großstädten treffen die Gegenseiten zusammen. Während Kollegen im Park Yoga ausüben, kommt im anderen Stadtteil eine weitere (eine weitere!) Flüchtlingsfamilie an...

Während wir unser Halbjahres-Seminar am Pool genießen ...


Und einige Kinder dieser Flüchtlingsfamilien kommen in mein Projekt Hogar AmaneSer. Aus ihren jeweiligen Geschichten heraus sind sie sehr unterschiedlich. Doch jedes Projektkind hier hat ein Recht auf Gesundheit, Bildung und Betreuung. Mein Projekt ist Teil der ACJ/YMCA (übersetzt: Christliche Vereinigung Junger Menschen) und wir arbeiten hier mit der Vorstellung, das Leben der Familie oder gar der Gesellschaft ändern zu können, wenn wir das Leben der Kinder ändern. Genau das ist in vielen Fällen garnicht so einfach. Die Bildungsebenen sind sehr unterschiedlich, Umweltfreundlichkeit ist ein Fremdwort (ja, das ist ein Problem!) und einige kennen nur Agressivität als Konfliktlösung. Von irgendwo/irgendwen müssen sie das ja auch gelernt oder erfahren haben und das bestimmt nicht nur vom Fernseher ..... aber das ist ein anderes großes Thema.

Halbjahres-Seminar...

... mit guter Stimmung


Die vier Geburtstagskinder des letzen halben Jahres :)

Fotowettbewerb ist zu meinen Gunsten ausgefallen ;)

Erst in Villavicencio, nun auch hier ;D


Halbjahres-Seminar: Teil 2 für die Deutschen im...

....botanischen Garten :)


Ein Gruppenbild darf nicht fehlen, danke liebe Pflanze fürs Kamerahalten ^^


Glücklicherweise bekommen wir Unterstützung vom Staat, von Universitäten, von Unternehmen und weiteren Spendengebern. Wir haben einen gut gefüllten Vorratsraum, ausreichend Materialien und viele Menschen, die Aktivitäten organisieren. Dazu gehören Studenten, Sozialarbeiter und Freiwillige wie mich :) Und es gibt so viele Aktivitäten, dass es für mich schon schwer ist, überhaupt einen freien Tag für meinen Unterricht zu finden. Anfangs kam noch hinzu, dass ich nicht von allen als "Lehrer" akzeptiert wurde, mehr als ausländischer Besucher - ein Spielpartner, der merkwürdiges Spanisch spricht. Ja, wegen meinem Spanisch hier werde ich als Ausländer abgestempelt, während das in Deutschland aufgrund meines Aussehens geschieht ^^
Ich musste also mein Spanisch verbessern, Redewendungen und sogar Gestiken lernen - meine Mitfreiwilligen werden wissen was ich meine :D Damit änderte sich auch die Art und Weise, um mit den Kindern zu reden und siehe da - Kommunikation funktioniert besser. Sie tun häufiger was ich sage ;) Mit der Zeit habe ich auch die Kinder an sich besser verstanden. In was für einem Umfeld sie leben und was sie täglich sehen. Das beschäftigt mich sehr und das Halbjahres-Seminar hat dieses Thema gut aufgegriffen, um einige Dinger besser verstehen zu können. Manchmal denkt man lange darüber nach und will einfach am nächsten Tag um 5 Uhr aufstehen und alles ändern. So schnell wie möglich. So erfolgreich wie möglich. Dann kommt aber dieser Transmilenio-Bus nicht. Dann bekämpfen sich 6 Kinder um ein Springseil. Dann sehen wir, dass Eltern schon wieder ihre Tochter auf die Straße schicken, um Tüten zu verkaufen. Dann kommt eine weinende Mutter, weil sie einfach "Nein" sagt, "ich kann nicht mehr."

"ICJA Freiwilligenaustausch weltweit leistet durch internationale Begegnungen und interkulturelle Bildung praktische Friedensarbeit und fördert gesellschaftspolitisches Engagement."

Wir sind kein Team, das die Politik oder Gesellschaft eines Land in einem Jahr ändert und werden aus diesem Grund auch nicht entsandt. Und ein Teil der Arbeit ist es, genau das zu verstehen. Ein solcher Austausch bedeutet Kommunikation, und allein das ist schon etwas sehr Schönes, meiner Meinung nach sehr Wichtiges. Und diese Kommunikation haben wir schon durch zugucken und nachdenken. In Kolumbien erleben wir neue und bereits bekannte Dinge. Und durch uns geschieht das Ganze auch umgekehrt. Wir können miteinander spielen, gemeinsam zu einem Thema nachdenken, sich gegenseitig etwas erzählen, streiten, argumentieren ... und natürlich aus allem lernen. Die Kinder lernen beispielsweise von mir und ich lerne von ihnen - willkommen bei interkultureller Bildung.

So. Viel gelernt, viel erlebt und froh, dass ich mich bei der entscheidenen Frage vor einem Jahr auf den Info-Tagen für zwölf statt sechs Monaten entschieden habe. Bis jetzt hatte ich Englisch-Kurse gegeben, die unter anderem wegen des vollen Zeitplans unterbrochen wurden. Aktuell gebe ich freitags Englisch-Kurse an einem anderen Standort meines Projekts, helfe bei Hausaufgaben, spiele mit den Kindern, löse Computerprobleme im Büro, organisiere den Einkauf mit, unterstütze in der Küche zur Essenszeit oder in den Klassenräumen um aufzupassen.
Nebenbei denke ich über mehrere Projekte nach. Der erste Teil eines ökologischen Projekts ist gestartet, meine Präsentation über mein Geburtsland Deutschland ist in Arbeit, dazu habe ich schon Deutschvokabeln im Haus vorteilt, um die Sprache ein wenig näherzubringen.

Organisationstalent gefragt - NICHT :D

Spielen, rumalbern ... muss ich auch Fotos davon machen? ;D

Vorbereitung der Englisch-Kurse, die ich mittlerweile alleine mache :S
Viele Sozialarbeiter/Studenten/..., die Aktivitäten mit den Kindern machen

Hoher Besuch aus dem Ausland: Alle bis jetzt immer von unserem Projekt begeistert ;)
Wenn ich keine Unterrichtszeit bekomme, finde ich andere Wege ;)
Einige Kinder werden neugierig und begrüßen mich nun auf Deutsch :D

Für mein englischen Freitag: Märchen auf englisch hören und in Bildern verstehen :)
Von mir angemalt ;D

In Planung ist unter anderem ein Projekt zur Berufsorientierung, weil der Großteil der Kinder hier Fußballer oder Soldat werden möchte und ich möchte es schaffen, dass sie auch andere Berufe kennenlernen und vor allem miterleben können. Seit vorletzter Woche habe ich es endlich geschafft, die ach so geheime Projektidee für Englisch zu starten :D Es ist ein Theaterprojekt, bei dem ich quasi auf spielerische Weise Englisch beibringen - das ist der erste Vorteil. Außerdem ist es praktisch, dass man die jeweiligen Rollen so verteilen kann, dass die Englischschwierigkeit individuell angepasst werden kann. Also ein Kind, dass nicht so viel Englisch spricht, bekommt eine einfachere Rolle als Fortgeschrittene English-Speakers. Der Anfang hat schon mal gut funktioniert und das Gesamtprojekt könnte vorgeführt oder gefilmt werden. :) Nur der volle Stundenplan macht mir Probleme, weil ich letzte Woche besipielsweise nicht die gleichen Kinder haben konnte, da ein anderes Projekt sie mir "weggenommen" hat -.- Ich hoffe, dass das Projekt nicht an so etwas scheitern wird und werde versuchen es irgendwie geregelt zu bekommen ;) Zudem werde ich auch ein Spendenprojekt starten, das gerne von Euch lieben geduldigen Lesern (hehe) verkündet werden darf. Damit könnt Ihr von zuhause aus noch mehr in diesen interkulturellen Gedanken integriert werden und helft gleichzeitig den Kindern, es würde mich (und nicht nur mich) sehr freuen. Mehr zum Spendenprojekt werde ich dann noch veröffentlichen, Ihr bleibt auf dem Laufenden! (:

Damit beschäftige ich mich also aktuell in meinem Projekt. Ich treffe mich ansonsten häufig mit Freiwilligen und Freunden und dazu noch mit meiner (Gast-)familie. Vor zwei Wochen sind auch die neuen Freiwilligen gekommen, die zwischen 3 und 12 Monaten hier sind. Und mir bleiben noch gute 5 Monate, die ich so gut wie möglich nutzen möchte. Mehr als die Hälfte ist um! Die Zeit wird noch schneller vergehen als vorher! Ich bin sehr glücklich für die bisherige Zeit und möchte auch in meinem 8-Monatsbericht (auf Spanisch) sowie in meinem 12-Monatsbericht (auf Deutsch) auf eine gute Zeit zurückblicken können :)

Neues Familienmitglied :) Hab Luna als Namen vorgeschlagen :D


Mal wieder zum Simon-Bolivar-Park (August ist Drachenzeit)
selbstverständlich mit dem Fahrrad :D

Kurzes Familienfoto, ehe meine Familie den Anschlussflug verpasst :P

Gastfamilienfoto auf dem Geburtstag meines Gastonkels Junio (ganz links)


Ich bin mittlerweile in meinem kolumbianischen Alltag, noch beschäftigter als sonst, aber werde mir Mühe geben, häufiger die "Neuigkeiten" im Blog zu verkünden. Bleibt gesund und Alles Gute aus dem vielseitigen Land Kolumbien :) :)

Euer Daniel


Achja: Zur Halbzeit musste ich auch einen offiziellen Halbjahresbericht verfassen, wo ich mehr auf meine Gedanken vor und während Freiwilligendienstes sowie die Problematiken eingegangen bin. Dropbox funktioniert bei mir aktuell nicht, aber ich kann es den Interessierten per E-Mail schicken und werde den Link HIER posten, sobald es wieder geht :)

Deutsch-kolumbianische Provokation: Deckblatt meines Berichts

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