Andererseits habe ich mich auch mehrmals gefragt, ob die Arbeitswoche im Projekt eigentlich wirklich nur 5 Tage hat. Sie fühlte sich nämlich nach viel viel mehr an. :D An meinem ersten Projekttag war ich (selbstverständlich ^^) pünktlich um 8:55 Uhr angekommen und wurde dort herzlich empfangen.
Es scheint dort allerdings auch relativ hektisch zu sein, die Kinder toben quer durch den Raum, bis ein Mitarbeiter laut COMEDOR! ruft. Damit ist der Essensraum gemeint, in den die Kinder nun gehen sollen.
Die Spielzeit ist beendet und es ist Zeit für die Hausaufgaben, womit ich auch schon zum Einsatz kam. Ich habe mich einfach an einen Tisch gesetzt, wo die Kinder ein paar Additionsaufgaben rechnen sollten. Die zwei Mädchen an dem Tisch scheinen leicht in einen Streit zu geraten und schrien sich an. Als ich für etwas Ruhe sorgen wollte, haben die sich (glaub ich) über meine Aussprache lustig gemacht :( Auf jeden Fall fanden sie es wohl recht amüsant, dass ein Freiwilliger mal was sagen wollte ^^ Im Verlauf der Woche habe ich nicht gelernt, schnell und effektiv für Ruhe zu sorgen. Ich habe mich wie die anderen Mitarbeiter daran gewöhnt, dass es ab und zu mal laut wird. :P Das Problem ist, dass ich sehr vorsichtig an das Projekt rangehe, darf aber keine Unsicherheit gegenüber den Kleinen zeigen, weil diese sofort ausgenutzt werden würde, um die Oberhand zu ergreifen. Genauso muss man sich hier wohl strikt an die Regelungen halten, um weiterhin als Autoritätsperson gesehen zu werden. Zu jeder Mahlzeit gehört beispielsweise eine Suppe, was Trockenes (Reis, Fleisch, Salat, ...) und ein Getränk. Und das Trockene gibt es erst, wenn die Suppe aufgegessen wird - auch wenn das Kind mich 10 Mal mit "Ay profe" anfleht - auch wenn das Kind anfängt zu weinen. Da darf man eben nicht nachlassen und am Ende wird die Suppe auch wirklich gegessen ^^
Nochmal zur Erinnerung:
Mein Projekt trägt den offiziellen Namen Casa Hogar AmaneSer und befindet sich in einem der "schwierigen" Viertel von Bogotá namens Santa Fé. Dieses wird als Toleranzviertel bezeichnet, weil dort die Prostitution erlaubt ist. Das Viertel hat allerdings nicht den Charakter einer Sündenmeile, die abends zum Feiern gedacht ist, wie ich es auch schon bei der Projektpräsentation am 14.02. erwähnt habe. Laut einer Projektbeschreibung im Internet sind auch viele Drogen- und Gewaltkonflikte vorherrschend - sowohl auf der Straße als auch intern in den Häusern. Und die meisten in diesem Viertel müssen den ganzen Tag (mind. 16 Std. sind keine Seltenheit) arbeiten, um das Existenzminimum verdienen zu können. Mit Glück könnten die Kinder aus solchen Familien also die Schule für einen halben Tag besuchen. Mein Projekt bietet somit ein zusätzliches Angebot für die Kinder, die dann nicht den Tag auf der Straße verbringen müssen. In Hogar AmaneSer gibt es eine Morgen-Schicht und eine Nachmittags-Schicht. In beiden gibt es 2 Mahlzeiten, Zeit für Hausaufgaben (mit entsprechender Betreuung) und natürlich Zeit zum Spielen. Abgesehen davon werden ab und zu noch andere Aktivitäten gemacht (z.B. Gruppenspiele, Basteleien, ...), wobei ich selbst auch welche anbieten kann - und mit Sicherheit irgendwann werde. ;)
Ich habe in dieser Woche also bei der Essensausgabe geholfen, bei den Hausaufgaben geholfen, habe eine Aktivität durchgeführt (Durcheinander hoch 3!!) und war natürlich Spielpartner der Kleinen. Das gesamte Haus ähnelt einer Lagerhalle, die provisorisch für das Projekt genutzt wird - seit 17 Jahren. Vom Essensraum gelangt man in die Küche oder in die "Spielhalle", wo zwei kleine Tore und Basketballkörbe stehen. Diese Halle betritt man gleich beim Reinkommen. Über eine Treppe kommt man in die Büroräume, wo alles Organisatorische geregelt wird. In der anderen Ecke der Spielhalle befindet sich eine weitere Treppe, darüber gelangt man zum Speise- und Materialraum und zu den Toiletten. Außerdem sind dort 3 Klassenräume zu finden. Ich hoffe, irgendwann etwas Bildmaterial dazu zu haben :)
Jaaa die Woche war sehr aufregend, aber mit den etwas schwierigeren Kindern auch sehr anstrengend, zum Glück war ich meistens in Begleitung anderer Mitarbeiter oder Freiwillige. Ich durfte besonders viel laufen, Fußball spielen, Kinder hochfliegen lassen, das Pferdchen spielen usw usw ;) Ich bin jeden Tag erschöpft und mit einnem leichten Muskelkater ins Bett gefallen ... und habe mich zum Wochenende auch etwas erkältet, weshalb ich auch die Feier von gestern absagen musste :S
Aber was den Rest des Wochenendes betrifft, geht es mit meiner Gesundheit und allgemein wieder aufwärts. Ich war heute im Einkaufszentrum und habe meine Gastschwester bei den Einkäufen begleitet. Abgesehen von einigen Kleidungsstücken haben wir hier jetzt einen neuen Mixer und ..... einen Sandwichmaker! :D Ich bin außerdem endlich dazu gekommen, einen Regenschrim zu kaufen und ich habe heute auch eine neue SIM-Karte gekauft. Wenn alles gut läuft, wird es insgesamt viel günstiger als bei meinem jetzigen Anbieter. :)
Und morgen fahre ich an einen schönen Ort außerhalbs Bogotá, von dem ich bestimmt zeitnah berichten werde. Der Legende zufolge ist dort das Gold zu finden, dass indigene Völker dort einst versunken haben. Nun aber genug verraten, bald gibts mehr ;)
Bis denne
[Sobald die Technik funktioniert, gibt es hier bald was zu sehen]
Animos y muchas fuerzas para los meses restantes :) Abrazos!
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