Letzte Woche habe ich zufällig ein paar Angebote gefunden, um günstig mit dem Reisebus an bestimmte Ziele zu reisen. Da der Schienenverkehr in Kolumbien ja nur sehr beschränkt hier vorhanden ist, ist der Bus neben dem Flugzeug ein beliebtes Vekehrsmittel. Und dass ich Freitag vom Projekt aus frei bekommen habe, passt gut zu dem Donnerstag (1. Mai), wo wir ja auch frei hatten. Also relativ schnell die Freiwilligen kontaktiert und die Reiseziele besprochen. Die freien Ostertage sind nicht lange her und dementsprechend haben viele Freiwillige keine Freizeit, kein Geld oder keine Lust (wegen der langen Busreise) auf einen Kurzurlaub. Silvan (Freiwilliger aus Hamburg) konnte ich aber überreden mitzukommen :) Das Angebot war zum Glück noch da, sodass ich uns das Ticket gleich gesichert habe. Am Mittwochabend trafen wir uns also am ZOB bzw. Terminal in Bogotá, um den Bus um 22:30 Uhr zu nehmen. Reiseziel: Pereira.
Pereira liegt über 300 Kilometer westlich von Bogotá, ist über 1.000 Meter näher am Meeresspiegel und in der sogenannten Zona Cafetera (Kaffeezone). In der Nacht zum Mai waren wir also im Bus, und es war suuuuper entspannt. Bei letztendlich 39.000 Pesos (ca. 14,50 Euro) habe ich gerne mehr bezahlt, um in einem moderneren Bus zu sitzen. Klimaanlage lässt sich für jeden einzeln regeln und die Sitze kann man fast in die Waagerechte verstellen! Silvan und ich waren begeistert :D Anders als erwartet, kamen wir nach 8 Stunden Fahrt (habe mit 10 Stunden gerechnet) in Pereira an und suchten das Hostel auf, in dem wir übernachten würden. Ebenfalls genial. Keine 5 Minuten von der Flaniermeile oder vom Einkaufszentrum und geräumige Schlafräume, sehr nettes Personal. Die 2 Nächte, die wir bleiben würden, kosten insgesamt 40.000 Pesos pro Person, nicht mal 15 Euro.
Von der Touristen-Info haben wir einen Stadtplan mit einigen sehenswerten Orten bekommen. Wir haben uns einen flexiblen Plan erstellt und alles geschafft. Dies ist der Ablauf:
Tag 1 (1.Mai):
• Ankunft in Pereira und im Hostel
• Spaziergang nach Dosquebradas
• Fahrt zur Finca von Don Manolo
• Fahrt nach Santa Rosa de Cabal
• Fahrt nach Pereira - Spaziergang
• Rückfahrt zum Hostel
Die Stadt Dosquebradas liegt direkt neben Pereira und wird durch den Fluss Rio Otún getrennt. Eine große Brücke führt über diesen Fluss. Der Gegenverkehr auf der Brücke war voll mit friedlich streikenden Menschen, die den Tag der Arbeit als Anlass zum Streik nahmen. Es ging einerseits um die Situation der Agrarbauern, die für mehr finanzielle Hilfe oder zur Abschwächung eines Monopols (70% der Agrarflächen gehört 3% der Bauern) streikten, andererseits ging es um das Recht auf Arbeit im Allgemeinen. Aufmerksam beobachteten wir die unterschiedlichsten Parolen auf den Bannern sowie eine Gruppe mit roten Flaggen der Sowjetunion. Dosquebradas an sich ist ein ruhiges Städtchen, in dem wir nicht viel Interessantes gesehen haben. Also ging es mit dem nächsten Taxi zur Kaffee-Finca von Don Manolo, etwas außerhalb der Stadt. Die kleine überschaubare Finca erntet die Familie die Kaffeekirschen schon seit über 30 Jahren, seit 3 Jahren bieten sind sie im Tourismus engagiert. Von typischen Tourismus-Touren war aber nicht viel zu spüren - zum Glück. Don Manolo persönlich zeigte und erklärte uns die Kaffeepflanzen und führte uns durch den Kaffeeprozess, an dem wir uns auch selbst beteiligt haben ^^ Alles wirkt sehr familiär, seine Frau hat uns leckeres selbst gemachtes Eis mit süßen Kaffeefrüchten serviert und später kam sein Enkel zu Besuch. Wir haben Einiges über den Kaffee gelernt und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben welchen getrunken! Und nun steht es fest: Ich mag keinen Kaffee :D :D Vielleicht ja mit Zucker, mit vieeeel Zucker :P
Das ganze Rundherum ist aber sehr schön dort. Und um nicht gleich wieder alles zu vergessen, habe ich mir mal die Zeit genommen, eine kleine PowerPoint-Präsentation mit dem gewonnenen Wissen zu machen, die Ihr herunterladen könnt ;)
Hinweise:Wir sind auf jeden Fall noch längere Zeit dort geblieben, weil wir uns noch unterhalten haben. Nach über 5 Stunden mussten wir aber einen Schlussstrich ziehen, um noch den Tag zu nutzen. Also ging es für Spaziergänge nach Santa Rosa de Cabal und zurück nach Pereira.
Ihr findet unten die *ppsx-Datei für neue PowerPoint-Versionen (2007 aufwärts) und die *pps-Datei für die älteren Versionen von PowerPoint (2003 abwärts). Bitte ladet die Datei auch wirklich runter oder öffnet sie irgendwie in PowerPoint, da die Präsentation sonst nicht richtig angezeigt wird!! Das soll kein Referat sein, ich gebe nur das Erlernte und Erfahrene weiter, also erwartet keine Definitionen wie "Kaffee ist ein koffeinhaltiges Heißgetränk" ;P
Die Präsentationen sind hier zu finden: https://www.dropbox.com/sh/xjckasami4ypds2/iU2NiGdYRA
| Geht looooos |
| Die Brücke nach Dosquebradas (mit dem Streik vom Tag der Arbeit) |
| Don Manolo erklärt uns die Welt des Kaffees (: |
| Mein erster Kaffee :'D |
Tag 2 (2. Mai):
• Fahrt nach Marsella
- Erster Rundgang
- Casa de la Cultura (Haus der Kultur)
- Botanischer Garten
- Friedhof
- Weitere Spaziergänge
• Fahrt nach Pereira (Barmeile)
• Zurück zum Hostel
Mit einigen Tipps aus dem Hostel ging es also morgens nach Marsella, einem Dorf rund 1,5 Stunden von Pereira. Auf der Hinfahrt habe ich mit einer jungen Frau Bekanntschaft gemacht, die dort wohnt. Sie hat uns weitere Tipps gegeben und mit einigen Empfehlungen geholfen. So haben wir haben wir in Marsella erstmal einen kleinen Besichtigungsrundgang durch die Stadt gemacht. Im Haus der Kultur wird die Geschichte der Städte der Region erzählt. Außerdem kann man die Räumlichkeiten dort für Kurse oder Bandproben nutzen, während man im Innenhof verschiedene Spiele spielen kann. Da habe ich doch gleich die Gelegenheit genutzt, Silvan in einer Partie Schachmatt zu setzen ;D
Wie auf den Fotos zu sehen ist (bzw. später zu sehen sein wird) haben wir weitere sehr schöne Orte besucht und haben außerhalb von Marsella eine wunderbare Aussicht auf die Kaffeeberge gehabt. Die Leute hier im Dorf sind alle sehr nett und es ist sehr ruhig. Es hat gut getan, an einem Ort ohne Ambulanzen, Autoalarm oder viel Verkehr zu sein. Ein Geheimtipp für alle, die auch von den Touristen ihre Ruhe haben wollen ;) Zufrieden kehrten wir zum Hostel zurück, spazierten noch über die Barmeile, wo bezüglich "Tanzveranstaltungen" komischerweise nicht so viel los war. Also ging es nach der Stärkung zum Hostel, wo wir uns bis nach Mitternacht mit dem Mitarbeiter unterhalten haben. Die Leute hier eben ... offen, herzlich, gesprächig! Gefühlt ist Bogotá da Deutschland schon einen Schritt voraus, aber Pereira und vor allem Marsella ist Bogotá noch einige weitere Schritte voraus (:
| Unser Transportpferdchen nach Marsella ^^ |
| Casa de la Cultura mit Kirche im Hintergrund |
| Schachmatt! :D |
| .... kein Kommentar :D |
| Der Friedhof in Marsella (Eingang) |
| Capital ecologica de Colombia - Ökologische Hauptstadt von Kolumbien .... hier sollte ich beim Stichwort Elektromobilität anfangen ;) |
| Schööööne Aussicht, wenn man einfach auf gut Glück ein bisschen aus der Stadt raus geht |
Tag 3 (3.Mai):
• Fahrt nach Santa Rosa de Cabal (Thermalbad)
• Fahrt nach Manizales
- Aussichtspunkte und Zentrum
• Rückfahrt nach Bogotá
Morgenstund hat Gold im Mund - oder so ähnlich ^^ Auf jeden Fall sind wir kurz nach 7 Richtung Terminal Pereira gefahren, um den Bus erneut nach Santa Rosa de Cabal zu nehmen. Dort sind wir mit einem Jeep zu den Thermalbädern gefahren, die ca. 30 Minuten außerhalb des Dorfes liegen. Der Standard-Eintritt von 32.000 Pesos (ca. 12 Euro) lohnt sich auf jeden Fall. Die Sicht ist super, die Thermalbäder sind teils sehr heiß und als Hostelbesucher haben wir 10% gespart) ;) Leider war das Römische Bad außer Betrieb, dafür gab es einen Barfußpfad mit heißem und kaltem Wasser und es war so gut wie leer, vielleicht weil wir auch zur Öffnungszeit um halb 10 dort waren :P Und von jedem Thermalbad hat man die Sicht auf diesen 90-Meter-Wasserfall!
Gegen Mittag sind wir zurück nach Santa Rosa in einer Chiva gefahren, einem bunten traditionellen Bus Kolumbiens. Dort gingen wir auf gut Glück zur Hauptstraße und zufällig kam auch gleich ein Bus, der uns nach Manizales bringen würde. Also Arm raus, einsteigen und losfahren :) Dort angekommen würden wir uns mit der einzigen Freiwilligen treffen, die ich wohl nie auf meinen sonntäglichen Fahrradtouren besuchen würde ^^ Adriana ist aus der Schweiz und arbeitet in Manizales statt in Bogotá. Mit rund 270.000 Einwohnern handelt es sich über eine überschaubare Stadt, in der dennoch viel los ist, besonders im Zentrum. Die Seilbahn gehört hier zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Weg vom Terminal Manizales nach oben zum Zentrum hätte auch viel länger gedauert. Wir haben dort den Rest unseres letzten Urlaubtages sehr entspannt verbracht und die Zeit genossen, ehe es dann wieder zurück zum Terminal ging, um gegen 23:00 Uhr zurück nach Bogotá zu fahren.
Eigentlich sollte es der gleiche Bus wie auf der Hinfahrt (Bogotá - Pereira) sein, aber irgendwie war es ein anderer Bus aus einer unteren Preisklasse. Das hat mich zum Schluss noch geärgert, weil ich bewusst den anderen Bus gewählt hatte. Doch die Beschwerde half nichts, ich habe ja dieses Super-Angebot zu diesen tollen Preis gekauft und kein Recht auf irgendwas - selbst dann nicht, wenn der Bus ausfallen würde. Weniger Beinfreiheit, die Lehnen nicht ganz so weit nach hinten klappbar und die Klimaanlage zentral geregelt, sodass es während der Fahrt recht kalt wurde. Die Leute von der Busgesellschaft werden auf jeden Fall noch von mir hören ;)
| Heutiges Transportpferdchen zu den Thermalbädern :P |
| Das letzte Stück zu Fuß |
| Das. ist. beeindruckend. |
| Das. ist. heiß. :D |
| Chiva von außen |
| Auch die Fahrt nach Manizales ist nicht langweilig ... Silvan hat trotzdem geschlafen ;D |
| Adriana, Silvan und ich |
| Manizales bei Nacht |
| Und das ist die *untere* Klasse von Langstreckenbus! ;D |
Tag 4 (4.Mai):
Doch abgesehen von dieser kleinen Winzigkeit war der Urlaub richtig gut verlaufen. Das haben wir immer wieder festgestellt, auch als wir um 6 Uhr morgens völlig erschöpft in Bogotá angekommen sind. Silvan und ich haben gefrühstückt und sind jeweils nach Hause gefahren, um nochmal ordentlich zu schlafen.
Tag 5 (5.Mai):
Das erklärt dann auch, warum ich um diese Uhrzeit auch wach bin :D Achja, und heute ist ja auch mein Geburtstag (yaaay). Ich würde auch heute am liebsten den ganzen Tag zu Hause bleiben, obwohl ich auch Lust habe, Dinge für mein Projekt vorzubereiten. Naja, ich werde den Tag entspannt angehen, zum Feiern ist an einem anderen Tag Zeit ;)
Gute Nacht und schonmal danke für die ganzen Glückwünsche !! :)
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