Der erste längere Urlaub ist fällig, nachdem ich zu den Osterferien ja nicht groß verreist bin. Das erste Ziel der Reise: Medellín!
Nicht einmal 3 Millionen Einwohner hat Medellín und gehört sowohl für Kolumbianer als auch für ausländische Gäste zu den Städten, von denen man schon vor Anreise begeistert ist. Während das "überfüllte" Bogotá gegen die Unzufriedenheit der kritisierenden Bürger zu kämpfen hat, zauberte es ein Lächeln in die Gesichter, als ich von meiner anstehenden Reise erzählte.
Das allerdings ist neu: Knapp ein Vierteljahrhundert zurückgedreht hätte wohl kaum jemand von der wunderbaren Stadt Medellín gesprochen. Die Geschichte erzählt in den 90ern vom mächtigsten Drogen-Kartell weltweit, eine Stadt mit extremen sozialen Unterschieden und in den festen Händen des Paramilitärs. Eine konfliktreiche Stadt, in die sich kaum jemand hinein traute und die neue traurige Rekorde in die Mordstatistik brachte. Bevor wir nun die Stadt oder gar das Land mit "böse, böse, böse" abstempeln, gibt es viele interessante Hintergründe zu erforschen, die hier nicht im Detail erläutert werden. Aber es ist empfehlenswert nachzuforschen! Alles hat irgendwann und irgendwo seinen Ursprung...
Was ist passiert? Der Staat und die Polizeikräfte erhöhten den Druck, mit dem Tod mehrerer Führungskräfte im Drogengeschäft (unter anderem Pablo Escobar 1993) konnte das große Kartell zerschlagen werden, paramilitärische Gruppen konnten mehr und mehr entwaffnet werden und und und...
Und weiter? Ende 1995 nahm die städtische U-Bahn ihren Betrieb auf, die bislang einzigste U-Bahn Kolumbiens. Die Stadt beginnt sich auf weitere Modernisierung, sozialen Wandel und auf Tourismus zu konzentrieren. Kultur- und Bildungsgebäude entstehen, 2011 wird in einem Armenviertel eine Rolltreppe eingeweiht, 2013 wird Medellín als weltweit innovativste Stadt ausgezeichnet, mittlerweile sprechen wir von einem Vorbild für Lateinamerika.
Weiterführendes dazu unter anderem hier:
>> Kolumbien: Medellín ist die innovativste Stadt der Welt
>> Medellín: Von der Drogenhölle zur Innovationsmetropole
Okay aber nun zum Urlaub! Lorenzo und ich haben die ersten 2 Tage
genutzt, um Medellín und die Nachbarstadt Bello kennenzulernen. Wir
haben viele Strecken zu Fuß zurückgelegt und natürlich auch die U-Bahn
und Seilbahn genutzt. Bevor eine U-Bahn einfährt hört man ein gewisses
knistern/zischen/quietschen am Gleis - wie die U-Bahn des HVV :) Ich mag
das System, obwohl es manchmal so voll ist wie im Transmilenio. Aber es
läuft geordnet ab! Ich traute meinen Augen nicht, als ich die Schlange
der Passagiere an der Bushaltestelle sah ... an der Bushaltestelle! :D
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| Schuhe aus und ab in den Park! |
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| Medellín ist für seine Blumen- und vor allem Orchideenvielfalt bekannt. |
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Bekannt auch für Skulpturen des Botero-Stils (Botero aus Kolumbien)
Hier im Bild: Ein Mahnmal, dass an einen Anschlag erinnert.
Eine Bombe in einer Botero-Skulptur (links) tötete 1995 dutzende Menschen.
Als eine Art Antwort hat der Künstler die gleiche Skulptur (rechts) erneut gebaut. |
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| Metrocable |
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| Metro |
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| Nochmal Metrocable. Moderne Infrastruktur gehört nicht nur in wohlhabende Viertel! :) |
Für Samstag beschlossen wir, Medellin zu verlassen, um die herrliche Aussicht von einem riesigen Stein zu genießen. Des Weiteren haben wir den Tag in zwei Dörfern (Guatapé und Marinilla) der Region genossen. Ich habe ja schon erzählt, dass mir die Menschen in den Dörfern viel herzlicher und offener erscheinen und das war auch dieses Mal nicht anders ;)
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Es klingt merkwürdig zu sagen, dass wir einen riesigen Stein besichtigt
haben ... aber was soll ich dazu sonst sagen? ^^ |
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| Und gute 700 Stufen nach oben |
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| Oben |
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| Guatapé |
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| Bunte Häuser sind Teil der Kultur in dieser Region (namens Antioquia) |
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| Erkundung zu Land und zu Wasser :D |
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| Hauptplatz in Marinilla - erstaunlich viel los |
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| Marinillas Kulturhaus für Kurse, Filmabende, Bandproben etc. |
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| Den Abend mit ein bisschen Pool-Billard verbringen (: |
Den letzten halben Tag in Medellín habe ich alleine genutzt, da sich Lorenzo früh morgens auf den Weg nach Manizales gemacht hat. So machte ich mich auf den Weg zum Botanische Garten, wirklich schön gemacht. Und bei dem dortigen Klima weder zu heiß noch zu kalt ;) Interessiert wollte ich auch die Rolltreppe sehen, die in einem Armenviertel von Medellín gebaut wurde, um den Bewohnern dort den täglichen Gang am steilen Berghang zu erleichtern. Da ich nur die Metro-Station als Anhaltspunkt hatte, musste ich dort jemanden fragen und habe gleich die Polizei angesprochen. Diese hat mir davon abgeraten, in dieses Viertel mit meiner Kamera etc. hinzugehen, da es eines der ärmsten Viertel Medellins ist und es sehr gefährlich ist. Inwiefern das nun übertrieben ist - keine Ahnung. Aber das Risiko wollte ich dann doch nicht eingehen und habe lieber die Aussischt aus dem
Metrocable, der Seilbahn, genossen. :)
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| See im Botanischen Garten |
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| Im Schmetterlingshaus |
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| Yoga-Kurse im Orquideorama, Botanischer Garten |
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| Bunte Häuser auch im großen Medellín ;) |
Über eine Stunde Verspätung hatte mein Flug nach Cartagena, umso glücklicher war ich, endlich dort zu sein. Die beliebte Kolonialstadt ist mir ja schon aus den anderen Familienurlauben bekannt. Dementsprechend lagen die Prioritäten des Aufenthalts in Familienbesuchen, Strandbesuchen und evtl. etwas Neues außerhalb von Cartagena kennenlernen - ich habe mich ja schon mehrmals von interessanten Orten außerhalb von großen Städten überraschen lassen ;) Mit diesem Gedanken haben meine Großmutter und ich den Vulkan Totumo kennengelernt. Man stelle sich da nun keinen riesigen Berg vor, da der Vulkan keine 30 Meter hoch ist. Der Besuch wird von kleinen Reiseveranstaltern angeboten, mit dem Highlight verbunden, von oben in den Vulkan zu klettern!! :D Nein, es war nicht besonders warm - eher erfrischend, in die graue mineralhaltige Masse zu steigen und praktisch zu schweben. Das Loch im Vulkan ist ca. 2000 Meter tief, die zähe Masse trägt aber unseren Körper, weshalb untergehen kaum möglich ist ;D Eine etwas andere und richtig lustige Erfahrung!
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| Karibische Grüße :) |
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| Maracuyá-Saft im Carbón de Palo ;) |
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21. Mai - Tag des Afrokolumbianismus
Statt einer Feier erwartete uns hier ein Protestzug, der mehr Akzeptanz indigener
Völker verlangt und "Der Bürgermeister, der Rassist" ruft :/ |
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| Ein deutsch-kolumbianisches Kulturhaus in Cartagena :) |
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| Nach dem Bad im Totumo-Vulkan :D :D |
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| Frischer Fisch zu leckerem Essen :) |
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| Meeeeeeeeeeeeeeeeeeeeer | |
Und ehe man sich versieht, ist die Woche vergangen und ich habe spontan entschieden, für das verbleibende Urlaubswochende nach Santa Marta zu fahren. Dort habe ich schließlich auch Familie ^^ In der Nähe befindet sich Kolumbiens beliebtester Nationalpark
Tayrona. Und genau zu diesem sind wir NICHT gefahren :P Wir haben die Zeit am Strand genutzt und mein Cousin hat mir ein wenig Santa Marta gezeigt. Das Wetter hat glücklicherweise mitgespielt, sodass ich die kurze Zeit gut nutzen konnte. Sonntagmorgen ging es für mich dann zurück nach Bogotá. Das geniale am Flughafen: 1 Minute vom Strand :D Meine deutsche Überpünktlichkeit wurde in diesem Fall folglich belohnt. (:
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| Santa Marta |
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Am Strand: Der Fluss (links) war mal mit dem Meer verbunden, doch
Santa Marta leidet aktuell stark an Wassermangel. |
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| Berühmter Fußballer "El Pibe" ... also der da oben ;D |
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| Die Zufriedenheit ist mir anzusehen, das Meer ... |
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| ... so nah am Flughafen :) |
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| Rückflug |
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